Was für ein Jahresauftakt in der Handball-Landesliga. Teilweise volle Hallen, verblüffende Ergebnisse und erhöhte Spannung im Titel- und Abstiegskampf – attraktiver hätte der vorletzte Hinrundenspieltag nicht verlaufen können.
Die größte Aufmerksamkeit gebührte natürlich dem Topspiel zwischen der HSV Werdohl/Versetal und Spitzenreiter HTV Sundwig/Westig. „Wer heute Abend nicht hier war, hat definitiv etwas Großes verpasst“, meinte der neutrale Schiedsrichterbeobachter Roland Janson, der wie die übrigen 400 Fans in der Rieseithalle eine dramatische Partie erlebte, in der ausgerechnet Werdohls Neuzugang Björn Otterbach zum Matchwinner avancierte, weil er den letzten Zenka-Siebenmeter abwehrte und so seinem Team einen 35:34-Sieg rettete. Bedenkt man, dass der HTV kurz zuvor durch Klein einen Pfostenschuss verzeichnete, wird die Enttäuschung bei den Gästen, die mit einem Remis bereits Halbzeitmeister gewesen wären, noch verständlicher. Werdohl wirkte mannschaftlich geschlossener und zeigte mehr Spielwitz, aber die individuelle Klasse der Wefing-Schützlinge, bei denen Spielmacher Klein und Serafin herausragten, hielt das Match offen. J. Lakic durfte sich nach grobem Foul die letzten 31 Minuten von der Tribüne aus ansehen. Und er erlebte mit, wie die Hemeraner zur 26:24-Führung kamen, Werdohl aber kämpferisch zulegte und die schlechte Chancenverwertung des Tabellenführers nutzte, um sich, obwohl auch Dralus den Roten Karton (58., mit Sperre) sah, auf 34:32 abzusetzen. Bluhms Fehlpass hätte fast den Sieg gekostet, doch im Nervenspiel behielt Otterbach die Oberhand.
Hochdramatisch ging es auch in der ebenfalls voll besetzten Hohenlimburger Rundturnhalle zu. Die gastgebende HSG hatte gegen den TV Westfalia Halingen blendend begonnen, sich auf 13:9 abgesetzt und später mit 22:17 geführt. Doch Halingen ließ sich zur Freude von Interimscoach Christoph Gutzeit nicht abschütteln, verkürzte dank der Dynamik des erst im zweiten Abschnitt eingewechselten Warland und Youngster Strotkötter. Als aber der überragende Bauer 50 Sekunden vor Schluss das 32:30 markierte, schien der Sieger festzustehen. Ein schneller Anschluss sowie Buchers Glanztat gegen Bauer bescherten dem TVH aber einen letzten Angriff, den Warland in Überzahl zum 32:32 nutzte. Für Hohenlimburg ein bitteres Ende, das fatal an das jüngste 32:32 in Halden-Herbeck erinnerte. Entsprechend geschockt war Trainer Oliver Landsiedel: „Wir haben über weite Strecken überzeugt, aber es wieder nicht geschafft, einen sicheren Vorsprung ins Ziel zu bringen.“
Für die größte Überraschung sorgte die HSG Schwerte/Westhofen, denn sie feierte ausgerechnet beim Tabellenzweiten RE Schwelm ihren ersten Auswärtssieg – und der fiel mit 40:32 sogar imponierend aus. Nur in der Anfangsphase lief die Partie nach den Wünschen von RE-Spielertrainer Christian Wojtek. Nach dem 7:5 (10.) häuften sich die Fehlwürfe aus dem Rückraum, was auch an einer kompakten Deckungsarbeit der nicht gerade als abwehrstark bekannten Ruhrstädter lag. Obwohl Goalgetter Denissov ungewohnt oft vergab, übernahm der Gast zum 9:10 die Führung, die er bis zum Seitenwechsel dank eines glänzend disponierten Nickolay auf vier Tore ausbaute. Vergeblich hofften die vom starken Rauhaus angetriebenen Schwelmer auf einen Einbruch der HSG. Im Gegenteil. Da die Joker Thäsler (traf sechsmal nach der Pause) und Ciomber sofort Bindung zum Spiel fanden, wurde der Vorsprung auf 31:26 ausgebaut, glückte Alissa sogar noch der 40. Treffer.
Der ASC Dortmund fand nach den Niederlagen in Serie auf die Erfolgsspur zurück, benötigte beim 28:27 über den TV Arnsberg aber auch eine Portion Glück. Gestützt auf einen starken Keeper Hering (16 Paraden), gelang es den Schützlingen von Hendrik Ernst, sich kurz vor der Pause erstmals abzusetzen und bis auf 20:14 davonzuziehen. „Ab diesem Zeitpunkt haben wir uns überlegt, doch noch mitzuspielen“, war TVA-Coach Christian Klute bis dahin mit der kämpferischen Einstellung keineswegs zufrieden. Plötzlich drehten der von Schlüter scharf bewachte Stratenschulte und Jung auf, gelang trotz der verletzungsbedingten Ausscheiden von Linke und Berghoff der 27:27-Ausgleich, hatte Jung sogar die Führung vor Augen. Im Gegenzug markierte der ASC den Siegtreffer.
Ein Siebenmeter-Festival bekamen die Zuschauer am Löh beim 32:36 zwischen der zum vierten Mal hintereinander besiegten SG Schalksmühle-Halver II und der SG TuRa Halden-Herbeck geboten. Insgesamt 23 Mal zeigten die Arnsberger Unparteiischen Baum/Borkenhagen auf den Punkt. Und bemerkenswerterweise versenkte Segreff alle Chancen, ließ auch Potberg nur einen Strafwurf ungenutzt. Ohne Torjäger Herzog fehlte den Klose-Schützlingen die Durchschlagskraft im Rückraum, doch sie kamen oft über den Kreis zum Zuge und hielten die Partie dadurch lange offen. „Zum Glück haben wir im Angriff überzeugt. Wenn wir so weitermachen, greifen wir noch oben an“, scherzte ein gut gelaunter SG-Coach Rainer Woyck, der seine Truppe nur beim 11:12 einmal im Rückstand sah. Danach aber eilte der Gast auf 18:13 davon und geriet, zumal sich Adam (43.) die Rote Karte einhandelte, nie mehr ernsthaft in Gefahr.
Aufsteiger HSE Hamm II überraschte mit seinem zweiten Saisonsieg, darf nach dem 35:28 über den VfL Eintracht Hagen III wieder leise Hoffnungen schöpfen. Gerade weil mit Norkowski und Lewandowski kurzfristig zwei Akteure ausgefallen waren, hatte Spielertrainer Sven Heinlein („Für uns war es extrem wichtig, dass der Start so positiv verlaufen ist“) mit einem derart erfreulichen Ausgang nicht gerechnet. Durch das 4:0 (4.) tankte das Schlusslicht Selbstvertrauen, konnte die Führung dank der präzisen Würfe von Schulte und Höhmann sogar auf 16:9 (23.) ausbauen. „Das war eine absolute Katastrophe. Wir haben überhaupt keine Einstellung zum Spiel gefunden“, ärgerte sich Eintrachts Trainer Lars Breuer, der nur Stein aus der Pauschalkritik herausnahm. Trotz der insgesamt 36 VFL-Fehlwürfe wurde es spannend, als die Hagener auf 26:25 herankamen. Doch damit hatten sie ihr Pulver verschossen.
Drei Tage nach dem Handball-Werbespiel gegen den Bundesligisten TBV Lemgo (26:48) erledigte der VfS seine Pflichtaufgabe und verkürzte mit einem 28:22 über die HSG Wetter/Grundschöttel den Rückstand zum kommenden Gastgeber Sundwig/Westig auf drei Zähler. „Es ist sicher nicht so ganz einfach, den Hebel so rasch umzulegen“, hatte VfS-Trainer Michael Schorlemer Verständnis dafür, dass seine Truppe kein Feuerwerk abbrannte. Immerhin gelang es dem VfS, sich auf 17:10 (34.) abzusetzen und so Spielmacher Schorlemer lange Ruhepausen zu gönnen. Leichte Spannung kam auf, als die Truppe des neuen HSG-Trainergespanns Andre Heer/Thorsten Schran auf 22:20 verkürzte, doch nach einer Trainer-Auszeit drehte der VfS wieder auf und sorgte mit einem Fünferpack für klare Verhältnisse.
HSG Hohenlimburg – TV Westfalia Halingen 32:32 (17:16). HSG-Tore: Bauer (11/1), Chwalek (8/2), Brahimi (5/1), Marks (3), Krause (2), Reinboth (1), Kral (1), Riepe (1). TVH-Tore: Strotkötter (6), Selle (5), Ammelt (5/2), Warland (5/2), Mick (4/2), Jurek (3), Bichmann (3), Dodt (1).
VfS Warstein – HSG Wetter/Grundschöttel 28:22 (14:9). VfS-Tore: Schorlemer (8/5), Mues (6), Ristovic (6), Furmaniak (2), Gericke (2), Aslan (1), Manderfeld (1), Schmitt (1), Sobkowiak (1). HSG-Tore: Pyde (6), Braune (4), Lüling (4), Bonnermann (4/1), Blechschmidt (1), Stein (1), Trenkelbach (1), Ladener (1).
SG Schalksmühle-Halver II – SG TuRa Halden-Herbeck 32:36 (16:18). SGSH-Tore: Potberg (13/11), Knuth (5), Schneider (5), Nik. Leicht (3), Radziej (3), Nils Leicht (1), Tolksdorf (1), Trimpop (1). TuRa-Tore: Segreff (14/11), Goebels (7), Grebe (6), Homberger (4), Pelka (3), Suhr (2).
RE Schwelm – HSG Schwerte/Westhofen 32:40 (13:17). RE-Tore: Rauhaus (10), Meuren (7), Ring (6/6), Heyde (3), Möller (2), Vohmann (2), Arndt (2). HSG-Tore: Nickolay (8), Höntsch (7), Denissov (6), Thäsler (6), Alissa (4), Ciomber (4/1), Paukstadt (3), Hengstenberg (2).
HSV Werdohl/Versetal – HTV Sundwig/Westig 34:33 (17:15). HSV-Tore: de Liello (8/2), van der Hurk (6), Lohmann (6), Bluhm (4), Dralus (3), Scheuermann (2), J. Lakic (2), Burzlaff (2), M. Lakic (1). HTV-Tore: Klein (13/3), Serafin (6), Schulte (3), Köck (3), Meisterjahn (2), Zenka (2/2), Förderer (2),Gallus (1), Schuff (1).
ASC 09 Dortmund – TV Arnsberg 28:27 (15:11). ASC-Tore: Feldmann (11/4), Viefhaus (3), Reuter (3), Fischer (3), Hümmecke (2), Polinski (2),Arnold (2), Busacca (1), Schlüter (1). TVA-Tore: Stratenschulte (11/2), Jung (5/1), Klute (4), Berghoff (4), Linke (2), Babic (1).
HSE Hamm II – VfL Eintracht Hagen III 35:28 (18:14). HSE-Tore: Schulte (10/1), Höhmann (8/3), K. Neugebauer (6), Schlinkert (5), Koch (2), Riediger (2), Heinlein (1), T. Neugebauer (1). VfL-Tore: Middeldorf (6), Stein (6), Wolf (6), Kuhlemann (5), Bolz (2), Ljekocaj (2), Bourquin (1).



