

Von Bernd Grossmann
Auf dem Rückweg aus dem Ruhrgebiet ließen sich die Handballer des VfS Warstein ihren 29:28-Sieg über den ASC 09 Dortmund gut schmecken: Trainer Michael Schorlemer spendierte eine Runde Frikadellen an die Fahrgäste im Fanbus, Physiotherapeutin Barbara Schorlemer einen Kasten Bier, Vizevorsitzender und Catering-Chef Andreas Kückmann eine Ladung „Schinkenkracher“.Eigentlich sprach wenig dafür, dass der VfS Warstein nach dem 9. Spieltag der Landesliga Punkte an Bord haben würde. Schließlich fehlten der jungen Mannschaft mit Philipp Schmidt und Tobias Nagel, der beim Aufwärmen signalisierte, dass seine Rippenprellung zu schwerwiegend für einen Einsatz sei, zwei Routiniers. So mussten ausgerechnet beim daheim verlustpunktfreien, für seine aggressive Deckung bekannten Titelanwärter ASC Dortmund die in solchen Spitzenspielen unerfahrenen Youngster des VfS Farbe bekennen. Dass die Mittwoch-Trainingseinheit wie vor dem Werdohl-Spiel, als es eine 23:30-Niederlage setzte, ausfiel, erwies sich jedoch keineswegs als Manko.
„Die Mannschaft hat genau die richtigen Lehren aus dem Spiel gegen Werdohl gezogen, als sie 45 Minuten lang gegenhielt, dann aber kämpferisch deutlich abbaute. Diesmal hat die Körpersprache von Beginn an gestimmt, haben wir zu keiner Minute nachgelassen“, kommentierte Coach Michael Schorlemer mit hörbarem Stolz in der Stimme den spektakulären 29:28-Erfolg.
Gepuscht durch die Glanztaten von Michael Hölter, der die Bälle magisch anzuziehen schien, lieferte der VfS leidenschaftliche Abwehrarbeit ab, die auf der Auswechselbank regelmäßig lautstark gefeiert wurde. Dadurch sahen sich die schnell und flüssig kombinierenden, also keineswegs enttäuschenden Dortmunder oft zu schwierigen Würfen gezwungen.
„Jungs, die ich schon in C-Jugend betreut habe“
Und im eigenen Angriff war auf die Rückraumknaller von Ristovic Verlass, der mit Präzision auch unter Bedrängung seine Würfe abfeuerte und so die fehlenden Feldtore des dauerhaft bewachten sonstigen Hauptschützen Lars Schorlemer kompensierte. Dass die Hausherren zur Pause nicht deutlicher als mit 14:15 zurücklagen, lag an ihrer Fähigkeit, bei Ballgewinnen pfeilschnell zu kontern. Zudem versäumte Warstein, bei eigener 6:3-Überzahl und 10:7-Führung ein größeres Polster herauszuwerfen.
„Zum Glück haben es uns die Dortmunder nachgemacht“, verwies Schorlemer auf die Endphase, als der ASC plötzlich mit sechs Feldspielern nur drei Warsteinern gegenüberstand. „Das waren alles Jungs, die ich schon in der C-Jugend betreut habe“, schilderte Schorlemer, der die Kaltschnäuzigkeit seiner Schützlinge in dieser kritischen Phase lobte: „Da wurde kein Ball einfach verloren gegeben. Wir haben den Gegner so richtig nervös und hektisch gemacht.“
Da auch Joker Thorsten Grunwald stach, er mit seinem einzigen Torwurf das enorm wichtige 27:28 erzielte, mussten die Hausherren rasch abschließen, fanden aber jeweils ihren Meister in Hölter, dem auf der fröhlichen Heimreise die meisten Glückwünsche galten.
Eilig hatten es nur Lars Schorlemer (zurück nach Karlsruhe) und Grunwald, der für zwei Wochen nach Peking muss, also in den beiden durch den eigenen Sieg wieder attraktiv gewordenen letzten Partien gegen den entthronten Spitzenreiter Schwelm und in Schwerte fehlen wird. „Dafür wird uns Jonas Bittern aushelfen“, hat sich Schorlemer aber bereits der Unterstützung des Münsteraner Studenten versichert.
So könnte sich der Trainerwunsch, mit nur geringem Abstand zur Spitze ins neue Jahr zu gehen, noch erfüllen.



