

Von Bernd Grossmann
Was für eine Energieleistung, welch ein Jubel: Die Landesliga-Handballer des VfS Warstein trumpften gestern Nachmittag beim Titel-Mitfavoriten ASC 09 Dortmund groß auf, krönten ihre beste Saisonleistung mit einem 29:28 (15:14)-Sieg und sind jetzt selbst wieder dick im Geschäft um die Spitzenplätze.Landesliga 4: ASC 09 Dortmund – VfS 59 Warstein 28:29 (14:15). Die gut einhundert Besucher im Dortmunder Vorort Aplerbeck, darunter ein Dutzend aus Warstein, wurden am 9. Spieltag bestens unterhalten. Denn beide Teams packten tief in die taktische Trickkiste, um es dem jeweiligen Gegner so schwer wie möglich zu machen. Und obwohl insgesamt 13 Zeitstrafen verhängt wurden, ging es auf dem Feld durchweg fair zu. Wobei die Unparteiischen die hässlichste Szene, nämlich einen Faustschlag von Steffen Feldmann gegen seinen mit dem Ball am Boden liegenden direkten Gegenspieler Lars Schorlemer (26.), gar nicht wahrgenommen hatten.
„Das war eine klare Tätlichkeit. Es hätte Rot geben müssen“, versicherte der als Zeitnehmer eingesetzte VfS-Vizevorsitzende Andreas Kückmann. Da Feldmann agilster Dortmunder Angreifer war, eine durchaus wichtige Situation, doch letztlich nicht spielentscheidend, weil die Warsteiner auch weitere Nackenschläge gerade in der dramatischen Schlussphase bemerkenswert kaltschnäuzig wegsteckten.
Hohe Einsatzbereitschaft in der Abwehr, dadurch zahlreiche Ballgewinne durch Blocks, dazu ein endlich wieder überragender Torhüter Michael Hölter und ein im Angriff lange Zeit nicht zu bremsender Boban Ristovic: Das waren die Zutaten für ein VfS-Menü, das den daheim noch verlustpunktfreien Ernst-Schützlingen tüchtig den Magen verdarb.
Das 2:1 (4.) sollte die einzige Führung des ASC bleiben, denn fortan diktierte Warstein mit zielstrebiger Spielweise gerade auch durch den zuletzt oft kritisierten Youngster Lino Gericke sowie Neuzugang Björn Manderfeld das Geschehen. Es fiel so kaum ins Gewicht, dass Spielmacher und Goalgetter Lars Schorlemer durch die permanente Sonderbewachung nicht die Akzente wie gewohnt setzen konnte, er sich im Angriff quasi auf Linksaußen ausruhte.
Doch dort sparte Schorlemer letztlich jene Kraft, die er in den entscheidenden Momenten benötigte. So traf er in Unterzahl aus dem Feld heraus zum 22:25, brachte sein Team vom Siebenmeterpunkt zum 25:26 wieder in Führung, nachdem Manderfeld zweimal gescheitert war. Noch wichtiger war Schorlemers Ballsicherheit und Wendigkeit, als nacheinander Benedikt Furmaniak, Thorsten Grunwald und der auf der Bank meckernde Tobias Nagel Zeitstrafen erhielten.
Mit nur drei Feldspielern schien es fast unmöglich, den Verlust der Führung an Dortmund abzuwehren, zumal Feldmann per Siebenmeter zum 27:27 ausglich. Doch Glanztaten von Hölter, der mit insgesamt 19 Paraden das hoch eingeschätzte ASC-Torhütergespann Ulf Hering/Daniel Waschescio übertraf, und ein „Kreis ab-Pfiff“ der Unparteiischen Kespe/Mönch aus Herne verhinderten neben Schorlemers Dribbelkünsten die Wende zugunsten Dortmunds.
Und als der VfS wieder komplett war, schlugen Thorsten „Totto“ Grunwald und Boban Ristovic zu, ließen ihr Team mit einem 29:27-Polster in die letzte Spielminute gehen. Da Feldmann mit tollem Dreher verkürzte, Gericke unbedrängt scheiterte, musste Hölter ein letztes Mal hellwach sein: Er rettete mit einer Fußparade (es war seine 19. erfolgreiche Abwehr) gegen Schlüter zwei Punkte. Zugleich machte Hölter den Sundwig-Westiger Trainer Arnd Wefing, der tags zuvor mit seiner Mannschaft ein äußerst mühsames 23:22 über Hohenlimburg verbucht hatte, zum glücklichsten Nicht-Warsteiner Zuschauer...
Torfolge: 0:1 (2.), 2:1 (4.), 2:3 (7.), 3:6 (11.), 4:6 (14.), 4:7 (16.), 6:7 (29.), 7:9 (23.), 8:11 (24.), 11:13 (27.), 13:15 (29.), 14:15 (30.), 14:17 (34.), 14:18 (38.), 15:18 (41.), 17:18 (43.), 17:19 (44.), 18:21 (48.), 22:24 (50.), 24:25 (52.), 25:25 (53.), 25:26 (54.), 26:27 (56.), 27:27 (56.), 27:28 (59.) 28:29 (60.).
Schiedsrichter: Kespe/Mönch (Herne).
Zeitstrafen: 6:7.
Siebenmeter: 4/4:7/6.
Zuschauer: 120.
ASC: Waschescio, Hering; Feldmann (9/2), Reuter (4), Hümmecke (4), Fischer (4/2), Bovensmann (3), Busacca (2), Polinski (1), Schlüter (1), Arnold, Benden, Viethaus.
VfS: Hölter; Ristovic (9), Schorlemer (8/6), Manderfeld (4), Mues (3), Gericke (3/1), Grunwald (1), Furmaniak (1), Aslan, Litz.
Hendrik Ernst, Trainer ASC Dortmund: „Es reicht nicht, gegen eine hochmotivierte und talentierte Mannschaft wie Warstein erst nach 38 Minuten den Kampf anzunehmen. Wir hätten das Ding zwar noch drehen können, aber wenn man die ganze Zeit hinterherläuft, darf man sich am Ende nicht beschweren. Wir sind an einem überragenden Torhüter gescheitert, haben außerdem Ristovic nicht in den Griff bekommen. Wir haben zu viele vermeidbare Fehler wie Rückraumversuche gerade über den großen Warsteiner Innenblock gemacht. Außerdem hat der VfS sehr clever ausgenutzt, dass die Schiedsrichter mit der Zeitregelung so großzügig umgingen. Ich will unsere Niederlage beileibe nicht auf die Refreees schieben, doch wir fühlen uns bei vielen kleinen Entscheidungen benachteiligt.“
Michael Schorlemer, Trainer VfS Warstein: „Das war unser bisher schönster und auch wichtigster Sieg, denn es ging ja darum, nicht frühzeitig ins Mittelfeld abgeschoben zu werden. Wir haben in dieser Woche mehr geredet als trainiert, aber das hat sich sehr positiv ausgezahlt, denn die Jungs haben ihr Versprechen, sich voll hineinzuhängen, hundertprozentig erfüllt. Es musste bei diesem spielstarken Gegner schon alles klappen, damit wir punkten können. Die Zusammenarbeit zwischen Block und Torhüter hat prima geklappt, überhaupt hat Michael Hölter ein grandioses Spiel gemacht. Er war ohne Zweifel unser Matchwinner. Sehr gefreut hat mich aber auch, dass Lino Gericke und Björn Manderfeld Verantwortung übernommen und wichtige Tore erzielt haben. Als wir in dreifacher Unterzahl waren, hatte ich schon gedacht, dass wir mit leeren Händen heimfahren müssen. Aber die Jungs haben nie ihre Ruhe und Übersicht eingebüßt.“



